Der Gascogner - die geheimnisvollste Operette Suppés

Suppés zweite große Operette in der Nachfolge des Boccaccio ist in mehrerlei Hinsicht geheimnisvoll. Zum einen ist es der Stoff selbst, entnommen dem Roman Das Teufelsschloss von Eugène Sue, des französischen Romanciers und "Erfinders" des Fortsetzungsromans in Tageszeitungen. Geheimnisumwittert auch die Entstehung der Operette. Keiner seiner bisherigen Biographen (Otto Keller 1905, Otto Schneiderreit 1982, H.D. Roser 2007) wussten zu berichten, dass der Librettist (und Komponist) Richard Genée (Fledermaus, Eine Nacht in Venedig, Fatinitza, Boccaccio, Bettelstudent u.v.m.) den gleichen Stoff selbst schon einmal 1856 für seine Oper Polyphem oder ein Abenteuer auf Martiniqe vertont hatte. Warum Genée aber diesen Stoff dann 25 Jahre später nochmals einem anderen Komponisten zur Vertonung überlassen hat, konnte auch sein Nachfahre Pierre Genée in dessen jüngst erschienenen Biographie über seinen Vorfahren nicht erläutern.Weiterlesen


Wer war Franz von Suppé?

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Franz von Suppe: Das sind Ouvertüren - "Dichter und Bauer", "Leichte Kavallerie", "Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien". Franz von Suppe: Das ist eine kleine einaktige Operette: "Die schöne Galathée". Das ist "Boccaccio", den man ehrfurchtsvoll Spitzenwerk der Goldenen Wiener Operette nennt, ohne ihn jedoch so zu schätzen wie "Fledermaus", "Zigeunerbaron", "Bettelstudent" oder andere Meisterwerke von Johann Strauß Sohn und Karl Millöcker.

aus der Biographie "Franz von Suppé" von H.D. Roser

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Nirgendwo in den Werken aus dem Goldenen Zeitalter dieser Gattung, nirgendwo haben sich Witz und Geist der italienischen Spieloper so glücklich mit dem Dreivierteltakt der Donaumetropole verbunden wie hier, in diesem Kunstwerk aus opera buffa und Wiener Operette [...]. Dieses von Optimismus und Sinnenfreude durchpulste Werk wurde als eine der ersten Operetten in Wien für hoftheaterfähig gehalten, und damit in den Rang des Klassischen erhoben. Köstlich die vokalen Ensemblesätze, hinreißend gebaut die Finali, nicht zu vergessen die Suppé – Italianità von Kanzonen wie Mia bella fiorentina. [...] Wie perfekt es Suppé gelingt, den komödiantischen Übermut des Textes umzusetzen, das zeigt sich durchgehend en gros und en detail in diesem Werk, dem man eine inspirierte Wiederbelebung auf deutschen Bühnen nur wünschen kann [...]

aus einem Kommentar zur "Musikstunde" des SWR2 zum Thema Giovanni Boccaccio (Ulla Zierau, 28.02.2013)

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Mit Stauß' Fledermaus und Suppés Boccaccio gilt dieses Werk [Bettelstudent von Millöcker] seitdem als Nonplusultra der frühen Wiener Operette.

aus Volker Klotz, Operette, Portait und Handbuch einer unerhörten Kunst

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Franz von Suppé hat ein eigenartiges Schicksal: Mit einem seltenen Reichtum von Melodien begabt, haben von seinen zahlreichen Operetten eigentlich nur die Ouvertüren bis heute überlebt. Das ist ungerecht, denn seine meist als „komische Oper“ bezeichneten Stücke sind nicht nur harmonisch meisterhaft komponiert und glänzend instrumentiert, sondern auch voll eingängiger Melodik. Wiener Walzer-Seligkeit und gemütlich variierter Offenbach-Esprit verbinden sich in Suppés origineller Musiksprache mit dem lyrischen Belcanto und dem zündenden Temperament der italienischen Buffo-Oper.

aus der Produktinformation zur CD "Fatinitza" (Label: cpo).

Franz von Suppé zählt unzweifelhaft zu den bedeutendsten Operettenkomponisten neben Jacques Offenbach, Johann Strauß und Karl Millöcker. Diese Bedeutung steht aber im krassen Widerspruch zu der Beachtung, die Franz von Suppé, vor allem von deutschen Theatern, aber auch anderswo, zuteil wird. Die Präsenz seiner Werke auf deutschen (ebenso österreichischen und schweizer) Bühnen war in den vorangegangenen Jahren äußerst mäßig. Auch in der akuellen Saison 2016/2017 ist Suppé mal wieder mit keiner Aufführung auf deutschsprachigen Bühnen vertreten.

Es gab aber auch in den vergangen Jahren einige wenige hoffnungsvolle Ansätze, die Erinnerung an diesen Meister der Operette wachzurufen. Auch darüber wollen diese Seiten berichten und in bescheidenem Maße dazu beitragen, solche Bestrebungen zu unterstützen.

 

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